Er kam, sah und scorte

von Jürgen Philipp am 02.09.2014 um 16:34 | Foto: Markus Kapl

Warum man ihn in Fankreisen „Kampl“ nennt, er derzeit keinen Job als Bauingenieur annimmt und wie er zu Blau-Weiß kam, verrät Kevin Vaschauner im Talk der Woche.

Du hast dich ziemlich schnell in die Fanherzen „geschossen“, man nennt dich bereits blau-weißer „Kampl“. Freut dich das?

Kevin Vaschauner: Das mit dem Kampl ist irgendwann beim Cupspiel aufgekommen, liegt wohl am Vornamen, der Frisur und der Spielanlage. Für mich ist das natürlich eine Ehre, weil es derzeit in Österreich wohl keinen besseren Offensivspieler als Kevin Kampl gibt. Die Haare hatte ich aber immer schon so, die Frisur taugt mir, vielleicht waren sie aber ein wenig zu blondiert (schmunzelt). Es hat sich jedenfalls schnell herumgesprochen. Wenn ich nach Kärnten komme, heißt es auch schon: „Der Kampl ist da!“.

Als du geholt wurdest, warst du für viele Fans noch ein Unbekannter. Wie ist eigentlich der Kontakt zu dir entstanden und wie hast du dich in Linz eingelebt?

Kevin Vaschauner: Wie ich erfahren habe, wurde ich von einem Vater eines Ex-BW-Spielers vorgeschlagen. Der weitere Kontakt war dann schon zu Andi Kindlinger und dann war der Deal perfekt. Ich kam auch wegen dem Trainerteam, sie haben Großartiges in St. Florian bewegt. Die Stadt gefällt mir gut. Derzeit bin ich aber auf Jobsuche, weil ich vorher Profi war. Ich bin zwar gelernter Bauingenieur, aber ich will mich vermehrt auf den Fußball konzentrieren, deshalb suche ich einen Job, wo man nicht den ganzen Tag im Büro sitzt, vielleicht befristet für ein Jahr. Aber heuer steigen wir sowieso auf und dann bin ich eh wieder Profi (lacht).

War der Druck sehr groß zu zeigen, was in dir steckt?

Kevin Vaschauner: Sobald angepfiffen wird, habe ich keinen Druck mehr. Beim ersten Spiel war klar, ich wollte allen zeigen, dass ich zurecht geholt worden bin. Als Spieler war ich immer einer, der von Beginn an alles gleich zerreißen wollte. Willi Wahlmüller will aber, dass wir erst einmal am Platz Sicherheit gewinnen und das ist gut so, jetzt fühle ich mich auch viel sicherer.

Es wird immer wieder betont, dass dieses Team eine besondere Einheit ist, dass jeder für jeden läuft – und das sieht man auch. Wie empfindest du das?

Kevin Vaschauner: Das ist absolut bemerkenswert. Ich war noch nie in einer Mannschaft, wo der eine für den anderen so fetzt. Das macht uns enorm stark.

Blau-Weiß hat einen Lauf, manche aber monieren, dass das an der „leichten“ Auslosung liegt. Siehst du das auch so?

Kevin Vaschauner: Kaum einer hat uns zugetraut, dass wir so aufzeigen. Und von wegen leichter Auslosung: Vor der Saison wusste keiner wo Wallern oder St. Florian steht, der ATSV Wolfsberg ist ein Neuling und wenn man sieht wie Weiz als Aufsteiger stark spielt, sagt das einiges. Andererseits ist Lafnitz, als einer der Titelfavoriten, ganz schlecht gestartet. In der Liga kann echt jeder jeden schlagen.

Das nächste Spiel ist ein „Brocken“. Allerheiligen ist ebenfalls im Titelkreis und immer unangenehm. Wie bereitet ihr euch vor?

Kevin Vaschauner: Der Platz in Allerheiligen ist extrem klein, das bedeutet Kampf und schnelles Umschalten. Die Standards werden wichtig sein, gegen den SAK haben wir bereits zwei Standardtore gemacht. Ich bin sicher, dass wir einen, wenn nicht drei Punkte aus Allerheiligen mitnehmen.

Steckbrief

Tennisschläger oder Fußballschuhe? Kevin Vaschauner musste sich entscheiden, denn er ist in beiden Sportarten ein Ass. Im Fußball sah er sich mehr Perspektiven und so wurde nach der Schule gleich im Garten gedribbelt was das Zeug hält. Hausübungen wurden erst erledigt, als es dunkel wurde. Mit 6 Jahren ging er zu Feldkirchen, spielte von 10 bis 15 beim SV Glanegg, wo er mit 15 sein Kampfmannschaftsdebut gab. Mit 19 wechselte er in die Kärtnerliga zu St. Veit und schoss dort 19 Tore. Scouts lotsten ihn zu den von Heimo Pfeifenberger trainierten Wiener Neustädtern zum Probetraining. Tipp: Er solle sich in der Regionalliga beweisen und das tat er. Beim SV Feldkirchen schoss er sich mit 12 Treffern in die Herzen der Fans, was ihm einen Profivertrag beim WAC Wolfsberg einbrachte. Der 22-jährige Klagenfurter besuchte zwar keine Fußball-Akademie, aber die HTL und ist gelernter Bauingenieur.