Unser Sportdirektor im Dialog

von Wolfgang Hötzenegger am 03.09.2019 um 13:38 | Foto: Bernd Speta

Gut zwei Monate ist Tino Wawra nun im Amt. Zeit genug, um eine erste Standortbestimmung einzuholen.

Mit vollem Tatendrang ist unser Sportdirektor an sein neues Projekt Blau-Weiß Linz heran gegangen. Nun sind zwei Monate ins Land gezogen, die ersten Spiele sind bestritten und auch die erste Transferzeit in seinem Verantwortungsbereich ist vorüber. Wir haben das zum Anlass genommen, um bei Tino Wawra nachzufragen, wie er die ersten rund 60 Tage beim Stahlstadtklub als Sportdirektor erlebt hat.

Tino Wawra über seine ersten Monate beim FC Blau-Weiß Linz:

"Die ersten Monate waren durchaus turbulent, in positiver Hinsicht. Es war sowohl für den Verein neu einen Sportdirektor zu haben und auch für mich war es ein noch ungewohntes Terrain, auf welches ich mich begeben habe. Ich arbeite täglich daran professionelle Strukturen zu schaffen und da muss ich sagen, ist in zwei Monaten schon wirklich viel weitergegangen. Wir sind aber noch lange nicht am Ziel und es wird auch noch eine Zeit lang dauern, bis wir den Verein auf jenes Level gehoben haben, wo ich ihn auch sehen will. Ich bin top motiviert, dass wir unsere Ziele gemeinsam im Verein erreichen."

... über die Zusammenarbeit mit dem Trainer:

"Wir kennen uns erst kurze Zeit und dafür sind wir schon ein sehr gut eingespieltes Team. Ich bin bei fast jedem Training am Platz und hautnah an der Mannschaft. Ich sehe was der Trainer vorgibt und dann auch, wie die Jungs das umsetzen. Ist es das was wir wollen? Diese Frage gilt es sich jeden Tag auf dem Trainingsplatz zu stellen und die kann ich momentan klar mit "JA" beantworten. Kurzum, wir sind mit unserem Coach Gogo Djuricin sehr zufrieden. Aber nicht nur mit dem Trainer bin ich in täglichem Austausch, sondern auch mit unseren Verantwortlichen im Bereich Athletik und Physio."

... eine erste sportliche Bilanz nach dem sechsten Spieltag:

"Rein punktemäßig sind wir absolut im Soll! In Bezug auf die abgerufene Leistung haben wir in dem ein der anderen Spiel Probleme gehabt. Der ein oder andere Spieler kämpft eben noch mit körperlichen Defiziten, das war uns aber bewusst, wo wir diese Spieler geholt haben. Wir werden die Jungs aber weiterentwickeln und körperlich auf ein anderes Level bringen, da braucht sich keiner Sorgen machen - das braucht eben nur ein wenig Zeit. Das was der Trainer von der Mannschaft will, sieht man noch zu selten, aber das kommt, da bin ich mir sicher. Die ersten 25 Minuten gegen Wacker Innsbruck - das war Blau-Weiß Linz, wie wir es sehen wollen und da müssen wir jetzt weiter daran arbeiten, dass wir eine solche Leistung eben dann 90 Minuten auf den Platz bringen. Ich bin keinesfalls euphorisch, aber dennoch zufrieden. Wir haben elf Neuzugänge zu integrieren gehabt und alleine schon unter diesem Hintergrund ist es klar, dass die Maschine nicht von Anfang an voll laufen kann."

... über die Liga und die Konkurrenz:

"Die Liga ist ausgeglichen wie noch nie. Es kann jeder jeden schlagen. Man muss in jedem Spiel alles abrufen. Am Ende wird sich die Qualität im Kader aber durchsetzen und da wird mit Sicherheit die SV Ried noch durchstarten. Alles andere ist momentan aufgrund der Dichte sehr schwer zu prognostizieren."

... über die Qualität unseres Kaders:

"Wir haben gewollt eine sehr junge Mannschaft ins Rennen geschickt und diese Truppe hat auch richtig Qualität. Der Kaderumbruch war gewaltig, gerade auf das Alter bezogen. Wir haben Spieler geholt, die sehr viel Potential haben, dieses aber sicher noch nicht voll ausschöpfen. Wir können uns von den Jungs noch viel erwarten. In den nächsten Jahren ist es das Ziel, dass wir nur punktuell und positionsbezogen nachbessern. Wir wollen auch immer wieder Spieler von den Blau-Weißen Jungs hochziehen - wie Dombaxi und Ablinger, das muss unser Anspruch sein. Am Ende geht es dann natürlich auch darum, aus dem ein oder anderen Spieler Kapital zu schlagen, um das Budget aufbessern zu können."

... einen Ausblick in die Zukunft:

"Mein Ziel ist es, dass wir in allen Bereichen immer besser werden. Unser Thema war oft, dass wir einen starken Herbst gespielt haben und die Leistungen dann im Frühjahr zurückgegangen sind. Wir sind jetzt angetreten, Konstanz rein zu bringen und die Form über eine ganze Saison hoch halten zu können. Wenn uns das gelingt, dann wird vieles möglich sein."

... den Blau-Weißen Nachwuchs: 

"Ich habe in den letzten Wochen einen guten Einblick bekommen und mich auch bereits mit den Nachwuchstrainern abgesprochen. Bis zur U-14 sind wir qualitativ wirklich stark dabei. Bis zu den Blau-Weißen Jungs hinauf wird es dann schwieriger, da kommen uns viele Spieler abhanden, weil wir leider auch keine Akademie haben. Ich arbeite mit Hochdruck daran, hier etwas auf die Beine zu stellen - "Sichtwort Leistungszentrum". Visionen gibt es genug, wir müssen halt sukzessive schauen, was wir mit unseren Mitteln auch realisieren können."