In Memoriam

von Gernot Aglas am 07.01.2017 um 09:10 | Foto: privat

Die blau-weiße Fußballgemeinde trauert um Alfred Günthner sen., der am 30. Dezember im 81. Lebensjahr verstarb. Das Begräbnis findet am Dienstag (10. Januar, 10.00 Uhr) am Urnenhain-Friedhof in Linz-Urfahr statt. Ein Nachruf von Gernot Aglas.

Und wieder verließ ein wertvoller Zeitzeuge des Linzer Werkssports das Fußball-Spielfeld dieser Welt. Alfred Günthner sen. schied am 30. Dezember 2016 im 81. Lebensjahr stehend aus dem Leben. Um ihn trauern nicht nur seine Gattin Sieglinde, mit Jürgen, Brigitte und Alfred jun. drei Kinder, fünf Enkelkinder, sowie zwei Urenkerl, sondern auch viele Freunde, Wegbegleiter und Anhänger des Fußballsports, denn der Name Günthner war ein Begriff in den 1960er und 1970er Jahren im Fußballsport hierzulande.

Alfred Günthner, am 18. Juli 1936 in Linz geboren, startete seine sportliche Laufbahn beim Linzer ASK. Der LASK sollte jedoch nicht lange seine fußballerische Heimat bleiben, er wechselte kurzerhand den Dress und ging zum SK VÖEST Linz, der damals noch ziemlich klein und unscheinbar in den Niederrungen der oberösterreichischen Unterhausligen agierte. Günthner stieg sehr rasch zum Spielführer auf, 1957 – bereits mit 21 Jahren – avancierte er zum Kapitän der Werkssportler. Diese Position hatte er bis 1965 inne und war maßgeblich am Aufstieg des Sportklub VÖEST mitbeteiligt – 1957/58 Meister der 1. OÖ-Landesliga, 1960/61 Wiederholung dieses Triumphs, samt gleichbedeutendem Aufstieg in die Regionalliga Mitte, der zweiten Liga Österreichs. 1965/66 beendete Günthner seine aktive Laufbahn und schlug die Trainer-Karriere ein – dass dies beim SK VÖEST vonstatten ging, versteht sich hier von selbst.

Mit Alfred Günthner und den damals noch „schwarz-weißen“ VÖEST-Fußballern ging es weiter steil bergauf. Scheiterte man 1968 als Zweiter noch am WSV Donawitz, so hieß der Meister der Regionalliga Mitte 1968/69 SK VÖEST Linz. Die oberösterreichische Landeshauptstadt Linz hatte 1969/70 nach dem vierjährigen Gastspiel von SV Stickstoff (später SV Chemie Linz) in den Jahren 1960 bis 1964 somit mit dem LASK und dem Aufsteiger SK VÖEST wieder zwei Vereine in der Nationalliga, der höchsten österreichischen Spielklasse.

Und Alfred Günthner agierte emsig weiter, galt sein Team doch als Abstiegskandidat Nummer 1. Nun, man kann es vorweg nehmen, 28 Punkte auf der Habenseite, erzielt in 30 Spielen anhand der damals noch vorherrschenden 2-Punkte-Regel für den Sieg sollten reichen, der SK VÖEST etablierte sich im Fußball-Oberhaus. Günthner´s Arbeit gefiel und fiel auch auf. Aus der südwestdeutschen Regionalliga trudelte ein 4.000,- DM-Monatsgehalt Offert ins Haus. Dazu Alfred Günthner in einem Zeitungs-Interview: „Locken würde es mich schon, aber mir gefällt es derzeit ganz ausgezeichnet bei meinen VÖESTlern. Interessant wäre für mich die Sporthochschule in Köln, um die Trainerlizenz für die Bundesligaklubs zu erwerben.“, sprach´s mit dem Hinweis, mit seinem Gehalt als VÖEST-Angestellter zufrieden zu sein und bei den Prämien für die Fußballer ohnehin „mitzulaufen“.

Alfred Günthner folgte jedoch dem Ruf der alten Liebe – der SK VÖEST sicherte sich im Sommer 1976 neuerlich seine Dienste und da die Unter 21-Mannschaft der Werkssportler in diesem Jahr Meister wurde, führte er die zwischenzeitlich „blau-weißen“ Rohdiamanten Siegfried Bauer, Hans Halter, Manfred Schill und Helmut Wartinger Schritt für Schritt an die Kampfmannschaft heran. Ein altes Lied in Linz bei VÖEST war allerdings auch, dass man dem Team nie Zeit gab, zu wachsen. Der sofortige Erfolg musste her, koste es, was es wolle. Günthner beendete die Herbst-Saison 1976 auf dem aussichtsreichen 4. Tabellenplatz, nach 24 Runden wurde er jedoch gefeuert und durch Iwan Brzic ersetzt. Und so ging er neuerlich nach Salzburg und sollte von Juli 1977 bis Juni 1980 in Lehen wertvolle Aufbauarbeiten leisten. Warum? Nun, Salzburg schlitterte direkt aus dem UEFA-Cup-Bewerb in die 2. Division. Gemeinsam mit Günther Praschak formte man ein Team voller Talente, das versehen mit den Leistungsträgern wie Karl Kodat und Heinz Libuda mit 10 Punkten Vorsprung auf Verfolger DSV Alpine Donawitz Zweitliga-Meister wurde und erneut aufstieg.

Immer wieder der SK VÖEST! Im ÖFB-Cup-Halbfinale 1977/78 traf man auf die Linzer und verlor in Salzburg-Lehen erst im Elfmeterschießen mit 7 : 8. Diese Erfolge – sofortiger Aufstieg ins Oberhaus, Ausscheiden erst im Halbfinale als Zweitligist des Cup-Bewerbes – rief Sponsoren auf den Plan. Im Sommer 1978 stieg mit Casino Salzburg ein potenter und gewichtiger Geldgeber bei den Violetten ein, der für viele Jahre das Bild und die Geschicke dieses Vereins leiten sollte. Im Mai 1980 stand Alfred Günthner mit SV Casino Austria Salzburg sogar im Endspiel des ÖFB-Cups. Dieser Bewerb wurde damals noch mit Hin- und Rückspiel ausgetragen. Das Hinspiel in Salzburg gewann man gegen den haushohen Favoriten FK Austria Wien mit 1 : 0, das Rückspiel im Wiener Praterstadion verlor man jedoch mit 0 : 2. Da die Wiener Austria in diesem Jahr 1979/80 jedoch auch Fußball-Meister wurde, somit sich das begehrte Double sicherte, spielte Austria Salzburg im Jahr darauf erneut auf der europäischen Fußball-Bühne … und abermals und erneut ohne Alfred Günthner auf der Betreuerbank. Sein Abschied aus Salzburg war kurios. Er wurde von der Klubleitung gefeuert, weil er unentschuldigt der Meisterschaftsfeier ferngeblieben war, so hieß es offiziell.

1980/81 war der SK Vorwärts Steyr seine nächste Station. Der angepeilte und auch geforderte Aufstieg in die 2. Division wurde als Tabellen-Dritter knapp verpasst, und Günthner nach nur einem Jahr in Steyr gestanzt. Von 1982 bis 1984 trainierte Alfred Günthner neuerlich den SK VÖEST, diesmal die Unter 21-Mannschaft, mit der er am Nachwuchs-Sektor tolle Erfolge feiern konnte. Helmut Baic, Norbert Eder, Ralf Dotter, Harald Kaiserseder, Peter Schimmel, Günther Stöffelbauer und andere bereitete er für die Kampfmannschaft der Werkssportler vor, die dann ihre durchwegs gelungenen Debüts im Oberhaus feiern konnten.

Und selbst, wenn es in den letzten Jahren um ihn sehr ruhig geworden war, so verfolgte er das Geschehen rund um den Fußballsport in Österreich nach wie vor genau. Einem kleinen Plausch am Gartenzaun, wenn er in der Garage bei seinem OPEL herumwerkelte, war er nie abgeneigt und zeigte sich hocherfreut, dass man ihn beim Vorbeiradeln in Leonding-Hart nach so vielen Jahren immer noch kannte.

Alfred Günthner galt als gerade, ehrlich und aufrecht, er ließ sich nicht verbiegen. Er hatte eine, seine, Meinung und stand auch dahinter. Ein weiteres Kapitel traditionelle oberösterreichiche Fußball-Geschichte wurde zur Geschichte. Dennoch wird man ihm stets ein ehrendes und dankbares Andenken – gerade aus Sicht der Anhänger des SK VÖEST Linz – bewahren.